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Thieme Verlag

Schockierend, amüsant oder einfach nur Rettungsdienst? 50 skurrile Geschichten eines Rettungssanitäters

 

Horst Heckendorn lädt ein auf eine Zeitreise durch 25 Jahre Rettungsdienst. In seinem Buch „Ich bin zu alt für diese Scheiße!“ verarbeitet er die 50 prägendsten Erlebnisse seiner Karriere als Rettungssanitäter.

Keine Fachliteratur Bei dem Buch handelt es sich nicht um Fachliteratur, sondern um eine Sammlung wahrer Erlebnisse aus dem Rettungsdienst. Nicht chronologisch erzählt Horst Heckendorn 50 Geschichten – vom ersten Einsatz bis hin zum prägendsten Ereignis . Der Leser erhält einen tiefen Einblick in den Alltag eines Rettungsdienstlers, von den 80er-Jahren bis heute.

Nichts für sensible Seelen In seinen Beschreibungen nimmt der Autor jedoch kein Blatt vor den Mund, Rücksicht vor zart besaiteten Gemütern ist nicht zu erkennen. Heckendorn driftet regelmäßig vom Objektiven zu emotional geprägten, voyeuristisch angehauchten Beschreibungen ab. Die sehr plastischen Schilderungen laden aber ebenso häufig zum Schmunzeln ein, auch die schönen und amüsanten Seiten des Rettungsdienstes werden beleuchtet.

Fazit Ein abwechslungsreiches Buch, sowohl für Rettungsdienstler als auch für hartgesottene Interessierte. Kein Muss, aber ein Kann – z.B. für die freien Minuten zwischen Einsätzen.

 

Timo Nabers, Heidelberg

 


http://www.leuchtfeder.de

Zu alt vielleicht, aber keine Scheiße

 

Die Lesung des Rettungssanitäters Horst Heckendorn, der am 12.09.16 im Café Stilbruch sein Buch „Ich bin zu alt für diese Scheiße“ vorstellte, war wohl ein voller Erfolg für alle Beteiligten. Sowohl der Autor selbst als auch der Kulturförderverein Leuchtfeder e.V., Veranstalter Lars Albrecht und das Café Stilbruch konnten sich über zahlreiche Zuhörer und einen somit rappelvollen Veranstaltungsraum freuen.

Dies reichte zwar nicht ganz, um die Fahrtkosten des aus der Schweiz angereisten Bestsellerautors mit Hilfe des Eintrittsgeldes zu decken, doch wenn wirklich Applaus das Brot des Künstlers ist, dürfte Heckendorn für die nächsten paar Tage satt geworden sein, so begeistert wie das Publikum war. Diese Begeisterung zeigte sich auch daran, dass an diesem Abend deutlich mehr Bücher den Besitzer wechselten, als man es normalerweise im Café Stilbruch beobachten kann.

Wenn im März Heckendorns neues Buch erscheint, gibt es kurz darauf hoffentlich auch eine zweite Lesung mit dem Rettungssanitäter. Im Ruhrpott würde man sich zumindest freuen.

 

 



Berner Landbote

 

15.09.2015       SEBASTIAN MEIER

Kurzgeschichten aus dem Krankenwagen

Dank einem brenzligen Einsatz vor zwei Jahren wird Rettungssanitäter Horst Heckendorn heute als Erfolgsautor gefeiert. 

 

Horst Heckendorn ist seit über 25 Jahren Rettungssanitäter mit Leib und Seele. Mit Anekdoten aus seinem bewegten Berufsalltag ist er nun innert kürzester Zeit zum Erfolgsautoren geworden. Die Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen entdeckte er erst nach einer Begegnung mit dem Tod.

Wenn im Baselbiet das Schicksal zuschlägt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Horst Heckendorn einer der Ersten vor Ort ist. Als Rettungssanitäter geht der gebürtige Süddeutsche mit Schweizerpass dahin, wo’s wehtut – und das seit mittlerweile über einem Vierteljahrhundert. Es ist ein Beruf der Extreme, sagt Heckendorn. Von der rasanten Blaulichtfahrt über die wüsten Verletzungen vor Ort bis hin zur Todesangst der Patienten und der Trauer der Angehörigen im Falle eines zu späten Eintreffens – zart Besaitete haben in diesem Metier nichts zu suchen. Umso erstaunlicher, dass der glatzköpfige, kräftig gebaute Hüne stets ein breites Lachen auf dem Gesicht hat, wenn er mit derbem Humor von seinen Erlebnissen erzählt. Die Anekdoten quellen förmlich aus dem 49-Jährigen heraus und dem Zuhörer wird bald klar – mit einer gesunden Portion Zynismus kann der belastende Knochenjob zur abenteuerlichen, durchaus unterhaltsamen und zutiefst menschlichen Reise in die Extreme unserer Gesellschaft werden. 

So verwundert es kaum, dass der gut gelaunte Rettungssanitäter von einer wachsenden Fangemeinschaft auch als Geschichtenerzähler gefeiert wird. Anfang Jahr hat Horst Heckendorn sein erstes Buch veröffentlicht.

Der Finger am Abzug

Den Weg zum Schreiben fand Heckendorn allerdings durch ein Erlebnis, das so ganz und gar nicht zum sonnigen Gemüt des 49-Jährigen zu passen scheint. «Ich war eine leere Hülle, gefühllos, unbeteiligt, funktionierte wie ein Roboter», erinnert er sich an jene Zeit vor zwei Jahren. Nach 25 Dienstjahren und Tausenden Notrufen hielt er sich für abgebrüht. 

Der Anruf, der am 26. Januar 2013 in der Notfallzentrale einging, sollte Heckendorns Leben aber ordentlich auf den Kopf stellen. 

Der Notruf tönte eigentlich unverdächtig: Eine Frau mit ihrem Kind, bewusstlos in einem gehobenen Wohnquartier. Vielleicht ein Suizid? Vielleicht eine offene Gasleitung? Wie immer in Heckendorns Beruf eilte es plötzlich. Wenige Minuten später stand der Sanitäter vor einer verschlossenen Tür und drückte die Klingel. Ein alter Mann öffnete. Ehe er sich versah, hatte Heckendorn eine geladene Pistole unter der Nase – ohne Ankündigung und ohne ersichtlichen Grund. Der Finger des alten Mannes lag auf dem Abzug. Heckendorn stand unter Schock, erstarrte förmlich. Während der Alte irgendetwas auf ihn einredete, stand die Zeit still. Nach einigen endlosen Sekunden hörte Heckendorn seine eigene Stimme sagen: «Ich bin gleich zurück». Er drehte dem Mann den Rücken zu und ging zurück zum Krankenwagen. Jede Sekunde wurde zur Ewigkeit, jeder Meter zur Meile. «Ich wartete förmlich auf den Schuss in meinen Rücken», sagt Heckendorn heute. Merkwürdige Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Etwa: «Schade, die bereits gebuchte und bezahlte Thailandreise fällt wohl ins Wasser.» Der Knall blieb aber aus. Heckendorn brachte sich in Sicherheit und der Polizei gelang es schliesslich nach einem kurzen Handgemenge, den alten Mann zu entwaffnen. Dieser führte die Gesetzeshüter ins Wohnzimmer zu der bewusstlosen Frau und dem Kind. «Alles Hirngespinste eines verwirrten alten Mannes», sagt Heckendorn. Da war niemand im Wohnzimmer. Der Alte wohnte seit Langem allein. 

«Ich fühlte mich wie in Watte gepackt»

Die Situation verlief glimpflich. Und doch war im Leben des abgebrühten Rettungssanitäters nichts mehr wie früher. «Ich erlebte schon viele brenzlige Situationen, geriet in Schlägereien oder wurde sogar mit einem Teppichmesser bedroht», sagt Heckendorn. Damals habe er sich aber aufgrund des Notrufes psychisch auf den Einsatz vorbereiten können. «Der Alte mit der Knarre kam aus dem Nichts» – und führte Heckendorn die eigene Verletzlichkeit in aller Deutlichkeit vor Augen.

Über Wochen stand Heckendorn neben den Schuhen, blieb gefangen in einer Art Schockstarre. «Ich fühlte mich wie in Watte gepackt.» Er verlor die Lust am Beruf, an seinem Umfeld und seiner Frau, am Leben ganz allgemein. Das Bild des Alten mit der Pistole verfolgte ihn in seinen Gedanken. «Ich bin zu alt für diese Scheisse!», sagte er sich. Nach Wochen des Überredens folgte Heckendorn der Bitte seines Umfeldes und begab sich in psychiatrische Behandlung. 

Eine richtungsweisende Hausaufgabe

Bereits die erste Sitzung wirkte Wunder. Heckendorn konnte sich vom Bild der geladenen Pistole lösen, das Vorgefallene erzählen, rekapitulieren, einordnen. Noch wichtiger war für ihn aber die Hausaufgabe, welche ihm die Therapeutin nach der Sitzung aufgab: die Geschichte aufzuschreiben. Die Niederschrift wirkte befreiend, und als im Verlauf der Therapie immer weitere unverarbeitete Erlebnisse aus dem Berufsalltag auftauchten, gewann Heckendorn sogar Freude am Dokumentieren seiner «Leichen im Keller» – und davon gab es mehr als er dachte. 

Bald waren 40, 50, 60 Erlebnisse aufgeschrieben. Mit jeder Geschichte begriff Heckendorn besser, wie er all die Jahre funktioniert hatte. «Die Verdrängung ist für meine Berufsgattung ein notwendiger Schutzreflex.» Wer sich an allem den Kopf zerbricht – vom Herzinfarkt über den Kindstod bis zum Suizidversuch – der zerbreche irgendwann selbst.

Doch nun waren alle Erlebnisse und Geschichten mitsamt ihren Eindrücken, Bildern, Gerüchen und Emotionen wieder greifbar. Und längst nicht alle diese Erlebnisse waren Tragödien – vieles war auch skurril, grotesk, absurd und durchaus unterhaltsam.

Ein Verlag zeigt Interesse

«Das Schreiben war für mich eine Therapie», sagt Heckendorn. Die Thailand-Ferien fanden nun erst recht statt und der erschütterte Rettungssanitäter nutzte die Auszeit, um allen Ballast über Bord zu werfen. «Nach der Rückkehr begrüsste ich meine Therapeutin mit den Worten: ‹Das Leben ist schön!›». Die Therapie war damit beendet. Das Schreiben aber ging weiter.

Bald stapelten sich die Kurzgeschichten auf Heckendorns Schreibtisch. Der erlesene Kreis von Menschen, welcher die Geschichten zu lesen bekam, reagierte euphorisch auf die Texte. Und so kam der Tag, an dem Heckendorn – aus reiner Neugier – im Internet nach Verlagen zu suchen begann, die an einer Publikation der Texte interessiert sein könnten. Immerhin war Heckendorn nicht der einzige schreibende Rettungssanitäter und Titel wie «Schauen Sie sich diese Sauerei an» oder «Gehört dieses Bein zu Ihnen?» schienen durchaus ihre Anhängerschaft zu haben. Tatsächlich fand auch Heckendorn mit dem norddeutschen Asaro Verlag bald einen Interessenten. Zu seinem Erstaunen liess der Verlag auch die derbe Sprache der Texte praktisch unberührt – mitsamt dem Titel: «Ich bin zu alt für diese Scheisse!» Der Satz war für Heckendorn längst zum geflügelten Wort geworden.

Wie Phoenix aus der Asche

Die Begegnung mit dem bewaffneten alten Mann läutete ein neues Kapitel im Leben Horst Heckendorns ein und steht deshalb standesgemäss am Anfang des Buches. Die erste Auflage war schon nach wenigen Wochen vergriffen. Heute sind bereits rund 20 000 Exemplare verkauft. Heckendorn macht Lesungen und gibt Interviews, liest Geschichten am Radio und signiert Bücher. Im Raum Basel grüsse man ihn auf der Strasse und hie und da sage sogar der eine oder andere Notfallpatient: «Sind Sie nicht dieser Autor?» Berufskollegen schrieben ihm und bedankten sich. Im Internet verfassen Leser und Leserinnen Rezensionen und während der Sommermonate hat sich ein weiterer Trend entwickelt: Menschen stellen Ferien-Selfies von sich und dem Buch ins Netz. «Aus einem negativen Vorfall ist etwas extrem Positives entstanden», sagt Heckendorn. Die Begegnung mit dem Tod wurde zum Beginn eines neuen Lebens. 

Rettungssanitäter ist Horst Heckendorn übrigens immer noch. Doch jetzt ist er dazu auch noch Buchautor. Und wie es sich für Buchautoren gehört, ist das nächste Buch bereits in Entstehung. Arbeitstitel: «Man wird nicht jünger durch diese Scheisse!» Man darf gespannt sein.

 

Horst Heckendorn erzählt in seinem Erstling «Ich bin zu alt für diese Scheisse!» auf rund 300 Seiten 50 Kurzgeschichten aus seinem Leben als Rettungssanitäter. Die Kurzgeschichten tragen verheissungsvolle Titel wie «Homo Beschwerdiensis», «Dicke Eier auf Schalke», «Operation: Rettet die Wale», «Nackte Tatsachen», «Die Prinzessin auf dem Sofa» oder «Nimmt der Opi Opium, haut Opium den Opi um». Heckendorns Erzählungen glänzen weniger durch eine geschliffene Schriftsprache, als vielmehr durch seine Fähigkeit, den Lesenden förmlich mit sich an den Schauplatz des Einsatzes zu nehmen. Auch eklige und grausige Details werden nicht ausgespart, die Sprache ist derb und die Kommentare des Autors sind durchtränkt von einem rabenschwarzen Humor. Es entsteht ein authentischer Einblick in eine Berufgattung, welche in jeder Beziehung von Extremen geprägt ist. 

Horst Heckendorns Erstling wurde mittlerweile rund 20 000-mal verkauft (davon etwa 16 000-mal als E-Book). Es sei wohl eine Mischung aus ehrlichem Mitgefühl, Voyeurismus und reiner Schaulust, welche die Leute dazu führe, diese Art von Geschichten zu verschlingen, meint Heckendorn. «Es ist derselbe Effekt, den ich bei den Einsätzen erlebe, wenn sich um einen Unfallschauplatz eine Traube von Passanten bildet.»

 


http://www.wochenblatt.ch

 

07.04.2016

 

Horst Heckendorn hat ein Buch über seine langjährigen Erfahrungen als Rettungssanitäter geschrieben. Was ursprünglich als Therapie nach einem traumatischen Erlebnis gedacht war, wurde mittlerweile zu einem internationalen Bestseller.

 

Oliver Sterchi

 

Horst Heckendorn hat sprichwörtlich alles schon erlebt: kotzende Jugendliche mit Alkoholvergiftung, halb verweste Leichen und blutgetränkte Wohnzimmer. Seit über 25 Jahren arbeitet der gebürtige Deutsche als Rettungssanitäter bei der Käch-Falck AG in Dornach. Über seine Erlebnisse hat Heckendorn ein Buch verfasst, welches im März vergangenen Jahres veröffentlicht wurde. Das Werk trägt den rustikalen Titel «Ich bin zu alt für diese Scheisse!» und enthält fünfzig wahre Begebenheiten aus dem Dienstalltag des Autors. Die Geschichten lesen sich leicht und sind stets mit einer Prise (Galgen-)Humor gewürzt. Inzwischen wurde das Buch zu einem Bestseller im deutschsprachigen Raum. Über 40 000 Exemplare gingen bis anhin über die Ladentheke. Heckendorn erhält sogar Fanpost aus Brasilien und Australien. «Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass das Buch so gut ankommt bei den Leuten», sagt der Autor.

Am Anfang des Erfolgs stand jedoch eine tragische Geschichte: Am 26. Januar 2013 hatte Heckendorn gerade Nachtdienst, als ein Notruf auf der Zentrale eintraf. Ein Mann rief die Ambulanz und gab an, dass seine Frau und sein Kind nicht mehr sprechen würden. «Ich wurde stutzig und dachte zunächst an einen Suizid», sagt Heckendorn. Trotz Bedenken machte sich der erfahrene Rettungssanitäter auf den Weg zur entsprechenden Adresse. «Als ich dort ankam und an der Tür klingelte, hielt mir der ältere Mann plötzlich eine Pistole vor die Nase», erzählt Heckendorn. An die folgenden Sekunden erinnert sich der 49-Jährige nur in Zeitlupe: «Ich drehte mich um und ging die acht bis zehn Meter bis zum Rettungswagen zurück. Ich erwartete, dass es jederzeit knallen würde, und dachte an meine Frau, unser Haus und die gebuchten Ferien in Thailand.»

Fortsetzung geplant

Glücklicherweise kam es jedoch nicht zur Tragödie. Die Polizei konnte den psychisch verwirrten Mann überwältigen. Das traumatische Erlebnis hinterliess jedoch Spuren bei Heckendorn: «Ich war nicht mehr ich selbst. Ich fühlte mich wie in Watte gepackt, als ob das Leben an mir abprallen würde.» Eine Therapeutin riet ihm schliesslich, seine Erlebnisse zur Verarbeitung aufzuschreiben. «Als ich einmal angefangen hatte, konnte ich nicht mehr aufhören. Plötzlich kamen auch längst vergessene Erlebnisse wieder hoch. Im Nu kamen so zwanzig Geschichten zusammen», sagt Heckendorn. Nachdem er die Texte einigen Freunden und Bekannten zum Gegenlesen geschickt hatte, wandte sich der Autor an verschiedene Verlage. Der Rest ist Geschichte. Momentan schreibt Heckendorn an einem zweiten Buch, das im Herbst erscheinen soll. Der Titel ist bereits bekannt: «Man wird nicht jünger durch den Scheiss!»


https://www.medinside.ch/

Horst Heckendorn arbeitet bei einem Rettungsdienst in Dornach. Seine Erlebnisse verkauften sich bis heute über 40'000mal.

 

Wir hatten es ja schon längst vermutet: Was die Profis im Gesundheitswesen täglich erleben, stösst auf breites Interesse – und manch einer hätte genügend Geschichten für einen Bestseller. Ein neues Beispiel dafür bietet Horst Heckendorn.

Er arbeitet beim Rettungs-Unternehmen Käch Falck in Dornach und veröffentlichte letztes Jahr ein Buch mit 50 Geschichten «aus dem Leben eines Rettungssanitäters», so der Untertitel. Der Obertitel: «Ich bin zu alt für diese Scheisse!», mit Ausrufezeichen.

 

Die Pistole als Auslöser

Der Ruf wird offenbar erhört: Wie «Star of Life» jetzt meldet – die Fachzeitschrift fürs Personal im Rettungswesen – hat Hort Heckendorn sein Erinnerungsbuch bis heute über 40'000mal verkauft. Konkret: rund 19'000 gedruckte Exemplare sowie 21'000 E-Books gingen weg.

Das sind schlicht Bestseller-Zahlen. Oder Verkaufszahlen, die manchen etablierten Schriftsteller neidisch machen könnten.

 «Das beste Feedback erhalte ich von branchenfremden Leuten», sagte Heckendorn zu «Star of Life». Der Autor berichtet im Buch über Erlebnisse aus fast 20 Jahren im Rettungsdienst – Notizen, die letztlich ausgelöst wurden durch einen Patienten, der Heckendorn bei einem Einsatz mit der Pistole bedrohte. Danach begab er sich in Therapie.

«Meine Therapeutin ermunterte mich, das Erlebte aufzuschreiben, um es so zu verarbeiten», sagte Heckendorn gegenüber dem «Blick am Abend». «Ich konnte nicht mehr aufhören zu schreiben. Bald hatte ich 20 Geschichten niedergeschrieben».

Die Story (beziehungsweise die Stories) finden nun eine Fortsetzung: Heckendorn arbeitet bereits an der Fortsetzung. Sie soll nächstes Jahr erscheinen. Und der Titel stehe schon fest: «Man wird nicht jünger durch den Scheiss»

 

 

 

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https://www.mordsbuch.net/2016/07/28/

 

Interview mit Horst Heckendorn

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

...es ist mir eine Ehre Bianca ;-)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Mein Name ist Horst Heckendorn. Ich bin 50 Jahre alt und arbeite seit 28 Jahren im Rettungsdienst, 19 Jahre davon in der Schweiz. Ich lebe auch dort und bin mit einer Schweizerin verheiratet.

Seit wann schreibst du? 

Seit 2013

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Durch ein traumatisches Erlebnis bei einem Einsatz.das Schreiben war Therapie für mich.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Als mir meine Therapeutin riet das Erlebte aufzuschreiben, merkte ich wie viel Spaß mir das macht und außerdem fühlte ich mich besser dadurch.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Meine Memoiren aus 25 Jahren Rettungsdienst. Der Titel ist ganz bewusst so gewählt: "Ich bin zu alt für diese Scheisse!" und spiegelt ziemlich treffend meine damalige Gefühlslage wieder.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Nein, alle Geschichten habe ich selbst so erlebt und war selbst erstaunt darüber, an welche Details ich mich zum Teil erinnern konnte!

Wo schreibst du am liebsten?

Zuhause mit meinem Laptop.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein, immer dann wenn ich gerade Lust dazu habe.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ja, die Fortsetzung meiner Kurzgeschichten aus dem Krankenwagen ist in der Pipeline. Vielleicht schaffe ich es noch bis Herbst, ansonsten spätestens Frühjahr 2017.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Eigentlich nicht.

 Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich eigentlich gar kein so großer Leser bin. 

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Reisen ist meine große Leidenschaft. Ich habe schon ziemlich viel von der Welt gesehen und beabsichtige auch ein Buch über meine Reiseabenteuer zu veröffentlichen ;-)

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Mit dem Schiff rund um Südamerika.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Elementar wichtig!!! Das Feedback meiner Leser ist der Motor der mich antreibt weiterzumachen. 

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Ja, vielen herzlichen Dank an alle. Seit dem Erscheinen meines Buches hat sich mein Leben so sehr zum positiven verändert. DANKE!!!


 

www.basellandschaftlichezeitung.ch

Wo man auch mal auf einem Gehirn ausrutscht: Ein Notfall-Sanitäter schreibt über seinen Alltag

 

von Benjamin Wieland — Schweiz am Wochenende 21.5.2017 

 

Es gibt viele Gründe, ein Buch zu schreiben. Die Geburt eines Kindes, ein Lottogewinn, eine schwere Krankheit. Bei Rettungssanitäter Horst Heckendorn war der Auslöser ein alter geistig verwirrter Mann – mit einem Revolver. Kaliber .38, geladen.

«Ich guckte in den Lauf und wusste sofort: Das ist keine Spielzeugpistole», erinnert sich der 50-jährige Bennwiler an den 26. Januar 2013. Der Verwirrte hatte um 21.08 Uhr die Sanität angefordert. Beim Haus angekommen, ging Heckendorn gleich zur Eingangstür, sein Kollege erledigte noch etwas beim Rettungswagen. «Als ich da vor der Tür stand, die Waffe im Gesicht, hatte ich einen Geistesblitz. Ich sagte zu dem Typen: ‹Ich komme gleich wieder!›»

Auf dem Weg zurück zum Bus habe er ihn jede Sekunde erwartet, den Schuss. «Mir ging so einiges durch den Kopf: Nun endest du als sabberndes Gemüse in der Langzeitpflege, deine Frau bleibt alleine im soeben gekauften Haus. Und doof, die Thailandferien hast Du schon bezahlt, die fallen jetzt ins Wasser.»

Schreiben als Trauma-Therapie

Der Verwirrte drückte nicht ab. Und Heckendorn ging danach weiter zur Arbeit, als wäre nichts gewesen. Aber es war nichts mehr wie zuvor. «Ich hatte Flashbacks und Schweissausbrüche, war unkonzentriert», erinnert er sich. Die Therapeutin riet ihm, das traumatische Erlebnis niederzuschreiben.

Doch es blieb nicht bei einer Geschichte: Rasch hatte Heckendorn 50 Storys beisammen. In seinen fast drei Jahrzehnten als Rettungssanitäter hatte sich offenbar einiges in ihm aufgestaut, und das suchte sich nun den Weg nach draussen. «Als ich fertig war mit dem Schreiben, dachte ich mir, das könnte doch auch andere interessieren.»

Er sollte Recht behalten. Heckendorn fand einen Verlag, brachte vor zwei Jahren «Ich bin zu alt für diese Scheisse!» heraus, seinen Erstling. Das Buch kam gut an, verkaufte sich zehntausendfach. Plötzlich las der gelernte Krankenpfleger in vollen Sälen. Nun hat Heckendorn sein zweites Werk publiziert: «Man wird nicht jünger durch den Scheiss! Noch mehr unglaubliche, aber wahre Geschichten aus dem Leben eines Rettungssanitäters.»

Tantiemen flossen in Solarzellen

Den Erfolg hätte er niemals für möglich gehalten, sagt er. Mittlerweile werde er aber auf der Strasse erkannt. So habe ein McDonalds-Kassierer kürzlich um ein Selfie mit ihm gebeten.

Reich sei er aber nicht geworden vom Schreiben, sagt der gebürtige Deutsche, der 1997 in die Schweiz kam und mittlerweile den Roten Pass besitzt. Er arbeite noch immer Vollzeit beim Rettungsdienst Käch in Dornach. Der Buchverkauf sei aber ein netter Zustupf. Die Tantiemen investierte er in eine Solaranlage.

Die Titel seiner Bücher deuten es an: Heckendorn nimmt kein Blatt vor den Mund. Er schreibt, was er im Berufsalltag erlebt – ohne Filter. So sind seine Bücher nichts für schwache Nerven.

Ein Kapitel im ersten Buch spielt 1996 in Süddeutschland. Heckendorn wurde mit seinem Kollegen zu einem Unfallort gerufen. Ein BMW hatte sich auf einem Maisfeld überschlagen, der Lenker lag neben dem Wrack. Als ihn Heckendorn untersuchen wollte, fiel ihm etwas auf. «Der Kopf des toten BMW-Fahrers war so leer wie ein ausgehöhlter Halloween-Kürbis», schreibt er. Den Unglücksraben – er war nicht angeschnallt – hatte es herumgeschleudert, dabei musste das Gehirn aus einem Loch im Schädel entwichen sein, «nach dem Prinzip des Eierausblasens».

Für die Ersthelfer stellte sich nun die Frage: Wo war es geblieben? Kurze Zeit später stürzte ein Feuerwehrmann. Er war auf etwas Glibberigem ausgerutscht. Das Kapitel trägt den Titel «hirnlose Verfolgungsjagd».

Buch «Man wird nicht jünger durch den Scheiss!» Asaro Verlag, 2017.

Horst Heckendorn live: Autorenlesung am Donnerstag, 8. Juni, im Wahligusto in Arlesheim. 18 bis 22 Uhr, Schorenweg 10.

Erzählerisches Talent

Einige wenige Kollegen hätten sich an seiner Ausdrucksweise gestört, erzählt Heckendorn. «Sie fanden, das gehöre sich nicht. Ich rücke den Beruf in ein schiefes Licht. Dabei schreibe ich einfach, was ist, ungeschminkt.» Ihm sei es wichtig, dass die Leser die Einsätze «spüren, sehen, schmecken, riechen».

Der Filmfan, der über den Zivildienst zu seinem späteren Beruf herangeführt wurde, beweist erzählerisches Talent. Ein Kapitel handelt von einem Unfall, bei dem ein Auto in einen Lastwagen gekracht war. Am Querträger hafteten blutige Gewebespuren – «als hätte jemand eine Pizza dagegen geworfen, deren Belag sich nun langsam nach unten bewegte».

Ein anderes Beispiel: Herbst 2013, Schalke 04 war in Basel zu Gast, mit tausenden von Anhängern. Zwei Stunden vor Anpfiff des Fussballspiels ein Notruf: Ein Schalke-Fan war von Gummischrot getroffen worden, an sensibler Stelle. Der Hodensack sei «monströs angeschwollen», schreibt Heckendorn, und er habe «geglänzt wie eine polierte Bowlingkugel in allen Farben des Regenbogens». Eis verhinderte Schlimmeres: «Schalke gewann das Spiel gegen Basel und der junge Mann behielt seine Hoden.»

Im zweiten Buch geht der Autor nochmals auf sein traumatisches Erlebnis ein, das ihn zum Schreiben brachte. Herr T. aus O. sei mittlerweile verstorben. Heckendorn hat ihm vergeben. «Möge seine arme und verwirrte Seele in Frieden ruhen.»



BZ-INTERVIEW       http://www.badische-zeitung.de/heitersheim/welche-schlimmen-situationen-ein-rettungssanitaeter-erlebt 

 

Welche schlimmen Situationen ein Rettungssanitäter erlebt

Wie gehen Rettungskräfte mit der Belastung im Beruf um? Horst Heckendorn aus Heitersheim schreibt sich in seinen Büchern die Erlebnisse von der Seele. Über Gewalt, Verwahrlosung, und warum Einsätze oft nur mit Humor zu ertragen sind, spricht er im Interview.

 

BZ: Herr Heckendorn, ein traumatisches Erlebnis brachte Sie vor einigen Jahren zum Schreiben. Was ist passiert?

 

Heckendorn: An einem Abend im Januar 2013 hat mir ein geistig verwirrter Patient eine geladene Waffe mitten ins Gesicht gehalten – ohne Grund, völlig unvorhergesehen. Ich habe alles nur noch in Zeitlupe wahrgenommen, der Weg zurück zum Rettungswagen kam mir vor wie eine Ewigkeit, jeden Moment rechnete ich mit einem Schuss in den Rücken. Ich kenne den Menschen in all seinen unterschiedlichen Aggregatzuständen, aber das hat mich nach 25 Jahren Rettungsdienst richtig geschockt. In der Zeit danach hatte ich mehrmals am Tag Flashbacks, habe immer wieder wie durch einen Nebel in den Lauf der Waffe geblickt.

 

BZ: Wie gehen Notfallsanitäter mit der Belastung um?

 

Heckendorn:Wir sind in diesem Job alle Weltmeister im Verdrängen, nur so funktioniert das. Jeder hat seine Baustellen. Es muss nicht immer der Kopf unterm Arm sein, das können auch Dinge sein wie zum Beispiel die Schreie der Mutter bei der Reanimation ihres Säuglings. Man schiebt die Erlebnisse von sich, um sie nicht an sich rankommen zu lassen. Aber los wird man sie nicht. Jeder muss seine Form finden, wie er damit umgeht. Mir hilft das Schreiben, mit den Leichen in meinem Keller fertigzuwerden. 

 

BZ: Was sind die schlimmsten Einsätze?

 

Heckendorn: Schlimm sind Suizide, zum Beispiel wenn einer vor den Zug hüpft. Wir laufen dann mit Plastiktüten die Gleise ab und sammeln die Reste ein. Weil das nicht mehr menschlich wirkt, kannst du völlig ausblenden, was du da gerade eigentlich machst. Oft hilft uns nur noch Humor – neben der absoluten Verdrängung eine beliebte Bewältigungsstrategie. Einmal hielt mir mein Kollege zum Beispiel lachend mit den Worten "Jetzt hab’ ich aber die Nase voll" die abgetrennte Nase des Typen ins Gesicht… Nur so ist das Irrationale zu ertragen.

 

BZ: Wie oft haben Sie solch extreme Einsätze?

 

Heckendorn: Die richtigen Hardcoresachen kommen zum Glück nur etwa fünf bis sechsmal im Jahr vor. Am häufigsten haben wir die Großmutter, die Zuhause stürzt und sich den Schenkelhals bricht – außerdem Herzinfarkte, Schlaganfälle, Asthma, entgleister Zucker. Das ist natürlich für den Betroffenen immer dramatisch, aber für uns daily business. Was mir persönlich sehr nah geht, ist die zunehmende Verwahrlosung. Man glaubt nicht, wie viele Menschen mitten unter uns leben in komplett zugemüllten Messie-Löchern – und keiner schert sich drum. Wir werden erst gerufen, wenn die Kakerlaken unter der Wohnungstür durchkrabbeln und es streng riecht – und stoßen dann auf die verwesten Leichen mit Maden in allen Größen und Formen.

 

BZ: Immer wieder ist in den Medien zu lesen, Rettungskräften werde weniger Respekt entgegengebracht – teilen Sie diese Erfahrung?

 

Heckendorn: Ja, solche Anfeindungen passieren meistens in Verbindung mit Alkohol. Auf einer großen Silvesterparty haben die Leute mal morgens um drei vom Balkon auf unseren Rettungswagen runtergespuckt, während wir drinnen einen Besoffenen abgeholt haben. Die Windschutzscheibe war vollgegeifert mit Spucke, Rotz und grünem Schleim. Auf Volksfesten machen uns Betrunkene oft keinen Platz, taumeln vor uns her und grölen Dinge wie: "Meinst auch, du bist der Tollste, weil du so ein Blaulicht auf dem Dach hast". Solche Sprüche prallen mittlerweile einfach an mir ab.

"Statt eine Rettungsgasse zu bilden, bleiben die Leute vor dir stehen wie die Maus vor der Schlange"

 

 

BZ: In letzter Zeit waren auch Gaffer und falsch gebildete Rettungsgassen in den Schlagzeilen. Wie beurteilen Sie das?

 

Heckendorn:Die Rettungsgasse funktioniert prinzipiell nicht. Die Leute bleiben vor dir stehen wie die Maus vor der Schlange. Sie sind guten Willens und wollen Platz machen, raffen aber einfach nicht wie. Das gleiche Probleme gibt es mit der Ersten Hilfe: Bei einem Unfall stehen immer mehrere Leute ringsum und schauen zu, aber keiner macht was – aus Angst, etwas falsch zu machen. Dabei gilt: Drück in drei Teufels Namen einfach auf dem Brustkorb rum, bis der Rettungsdienst kommt. Wahrscheinlich werden ein paar Rippen brechen, aber die heilen wieder. Tot bleibt tot.

 

BZ: Was hat sich in den letzten dreißig Jahren Rettungsdienst geändert?

 

Heckendorn: Die Überalterung der Gesellschaft spüren wir ganz deutlich. 80 Prozent unserer Klientel ist jenseits der 80 und hat entsprechende Erkrankungen. Außerdem behandeln wir mehr Menschen mit Migrationshintergrund, aus allen Nationen und Kulturen. Manchmal gibt es Probleme, zum Beispiel, wenn eine muslimische Frau Bauchschmerzen hat, sich aber von uns nicht untersuchen lassen will. Auto- und Motorradunfälle mit Personenschaden sind viel seltener geworden, weil sich die hochtechnisierten Sicherheitssysteme der Fahrzeuge deutlichverbessert haben.

"Wir tragen viel Verantwortung und genießen dafür nicht genug Ansehen"

 

BZ: Trotz aller Widrigkeiten sind Sie seit fast 30 Jahren Notfallsanitäter. Was reizt Sie an Ihrer Arbeit?

 

Heckendorn: Bei meinem Beruf stellt sich die Sinnfrage einfach nicht. Leuten zu helfen ist eine ruhmreiche Sache! Wir tragen viel Verantwortung – und genießen dafür nicht genug Ansehen. Ich liebe die Abwechslung, die mein Beruf mit sich bringt. Einfach alles ist möglich, jederzeit. Wenn ich Montagmorgen schon wüsste, was Freitagnachmittag los ist, würde ich eingehen wie eine Primel. Ich finde es spannend, ganz ungefiltert Einblick in private Lebensbereiche zu bekommen. Von einer Minute auf die andere teile ich mit wildfremden Menschen häufig ihre intimsten Angelegenheiten. Ihr "Sorgenonkel" zu sein, ist ein großer Vertrauensbeweis.

02. Mai 2018

https://www.rheinpfalz.de/lokal/frankenthal/artikel/memoiren-eines-sanitaeters-lauf-der-waffe-mitten-im-gesicht/